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Gesund Leben


Apotheke Natur: Die Heilkraft der Pflanzen


Wald und Wiese liefern uns Menschen seit Jahrtausenden Medizin. Pflanzliche Arzneimittel lindern besonders gut Beschwerden des Verdauungstrakts, der Blase und Haut.

Natürlich gesund: Viele Menschen vertrauen auf die Heilkraft von Pflanzen. Hat ein Schimpanse im tansanischen Gombe-Nationalpark Magenbeschwerden, so weiß er sich zu helfen: Bereits bei Tagesanbruch hangelt er sich zu einer Pflanze namens Aspilia. Mit seinen Lippen umschließt er junge Blätter und prüft sie zunächst. Hat er eines für gut befunden, reißt er es vom Strauch, formt daraus mit der Zunge eine Kugel und schluckt diese hinunter. Sie passiert nahezu unverdaut den Magen und setzt erst im Darm ihre Inhaltsstoffe frei. Bestimmte Blattsubstanzen töten dort die Parasiten, die den Schimpansen plagen.

Die Entdeckung der Blätterpillen mit Retard-Wirkung machte der britische Anthropologe Dr. Richard Wrangham, als er zu Beginn der 70er-Jahre die Essgewohnheiten unserer nächsten Artverwandten erforschte. Heute weiß man, dass auch andere Tiere die Heilkraft von Pflanzen nutzen – meist um Krankheiten zu verhindern: So polstern amerikanische Buschratten ihre Behausungen mit Lorbeerblättern aus, denn diese wirken gegen Flohlarven. Und Stare flechten Pflanzenteile in ihr Nest, sobald ihre Jungen geschlüpft sind. Die freigesetzten Aromastoffe wirken gegen Bakterien und verzögern das Heranreifen von Lauseiern. So haben die Jungstare das Nest bereits verlassen, bevor die Parasiten sie befallen können.


Heilmittel aus Wurzeln, Blüten und Blättern

„Es ist zu vermuten, dass auch wir Menschen schon immer die Heilkraft von Pflanzen genutzt haben“, sagt Professor Michael Heinrich, Leiter des Zentrums für Pharmakognosie und Phytotherapie an der Universität London. Allerdings gebe es aus prähistorischen Zeiten kein gesichertes Wissen. „Streng genommen kann man erst davon reden, wenn es schriftliche Dokumente gibt“, betont Heinrich. So listeten die Sumerer vor mehr als 5000 Jahren auf Tontafeln mehrere Hundert Heilpflanzen auf. Und der fast 3600 Jahre alte Papyrus Ebers aus Ägypten nennt 850 Pflanzen, liefert Rezepte für Heilmittel und beschreibt Krankheiten von Asthma bis Zahnschmerzen.

Pflanzliche Arzneien spielen bis heute eine große Rolle in der Medizin. So nennt das wissenschaftliche Handbuch Teedrogen und Phytopharmaka in seiner aktuellen Ausgabe 234 Heilmittel, die aus Wurzeln, Samen, Blüten oder Blättern gewonnen werden. Doch warum enthalten Pflanzen überhaupt Stoffe, die Schmerzen lindern, die Verdauung anregen oder den Schlaf verbessern? Für solche Zwecke sind die Substanzen eigentlich nicht entstanden.

Abwehrstoffe werden zu nützlicher Arznei

„Jede Pflanze bildet viele Substanzen, die biologische Wirkungen haben“, sagt Heinrich. Diese Stoffe benötigt sie, um sich gegen andere Lebewesen zu wehren. Denn Pflanzen haben kein Immunsystem, um Bakterien, Pilze und Parasiten zu bekämpfen. Anders als Tiere können sie ihren Fressfeinden auch nicht entkommen. „Es gibt unzählige Gefahren für Pflanzen, und diese haben darauf unzählige Antworten gefunden“, sagt Heinrich. So stellt jede Art ihr eigenes Arsenal an Abwehrstoffen her. Mehr als 200.000 pflanzliche Substanzen wurden bislang entdeckt.

Jede Pflanze schützt sich mit einer bestimmten Strategie: Gräser etwa machen sich mit eingelagerten Silikaten für viele Fressfeinde ungenießbar. Zudem wachsen sie schnell wieder nach. Der Lavendel hingegen verholzt mit der Zeit und verströmt ätherische Öle. Ihren betörenden Duft empfinden wir als sehr angenehm. Er lockt auch Bienen und Hummeln an, welche die Lavendelblüten bestäuben. Gleichzeitig vertreiben die Öle schädliche Milben. Denn laufen diese über die Blüte, platzen deren Drüsenschuppen und setzen die ätherischen Öle frei. „Das ist so, als liefen wir über Luftballons, vollgepackt mit einer stinkenden Brühe“, erklärt Heinrich. Ätherische Öle wirken zudem antimikrobiell. Das schützt vor Viren, Bakterien, Pilzen und winzigen Parasiten. „Frisst eine Kuh ein paar Kilogramm Lavendel, bekommt sie Magenprobleme“, ergänzt Heinrich. Denn die Wiederkäuer verdauen mithilfe von Bakterien die gefressenen Gräser.

„Jede dritte Pflanze bildet wirksame antimikrobielle Substanzen“, sagt Professor Michael Wink, der das Institut für Pharmazie und molekulare Biotechnologie an der Universität Heidelberg leitet. Sennespflanzen etwa schützen sich vor Bakterien mit Anthrachinonen. Allerdings binden diese auch an Eiweiße in unserer Dickdarmwand und verflüssigen so den Stuhl. Daher nutzen wir Sennesextrakte bei akuter Verstopfung.

Bitterstoffe gegen Verdauungsprobleme und Malaria

Viele Pflanzen schützen sich durch ihren Geschmack vor gefräßigen Tieren. So produziert die Wurzel des Gelben Enzians Amarogentin, die bitterste natürliche Substanz: Würde man ein Schnapsglas davon in einer Wassermenge verdünnen, die 5800 vollen Badewannen entspricht, könnte man Amarogentin immer noch schmecken. Richtig dosiert, regen Bitterstoffe nach üppigen Mahlzeiten die Verdauung an. Bittere Schleifenblume, Tausendgüldenkraut und Gelber Enzian sind nur einige der so genutzten Pflanzen.

Auch das jahrhundertelang einzige wirksame Malariamittel Chinin ist ein Bitterstoff. Die rote Rinde des Chinarindenbaums enthält davon bis zu 15 Prozent. Ureinwohner der Anden tranken in Wasser gelöstes Rindenpulver gegen Fieber und das Zittern bei Kälte. Der Jesuit und Apotheker Agostino Salumbrino aus Lima (Peru) beobachtete das und schickte im Jahr 1631 ein Paket mit Chinarinde nach Rom, wo bereits unzählige Menschen an Malaria gestorben waren, darunter Kardinäle und Päpste. Die Krankheit geht mit heftigen Fieberschüben, Muskelkrämpfen und Schüttelfrost einher. Mit der Verbreitung der Rinde und später dem Reinstoff Chinin verlor die Malaria viel von ihrem Schrecken. Historikern zufolge schaffte das Medikament die Voraussetzung dafür, dass Europäer den afrikanischen Kontinent kolonisieren konnten.

Pflanzenextrakte wirken oft in Kombination

Viele andere Wirkstoffe verdanken wir Pflanzen. So bildet der Schlafmohn Morphin, eines der stärksten natürlichen Schmerzmittel. Der Einjährige Beifuß enthält Artemisinine, den Rohstoff für die heutzutage wirksamsten Malariamittel. Und die Garten-Wolfsmilch liefert einen neuen Wirkstoff gegen aktinische Keratose, eine Vorstufe von Hautkrebs: Im November 2012 ließ die Europäische Arzneimittelbehörde die Substanz Ingenolmebutat für die Behandlung zu.

Reinstoffe aus Pflanzen zählen allerdings nicht zu den Phytopharmaka. Darunter fallen nur Pflanzenteile und ihre Extrakte. „Wenn wir Heilpflanzen analysieren, finden wir meist, dass viele Substanzen zusammen die Wirkung ausmachen“, erklärt Professorin Brigitte Kopp das Besondere an Extrakten. Die Wissenschaftlerin ist stellvertretende Leiterin des Instituts für Pharmakognosie an der Universität Wien. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die traditionellen Heilpflanzen Österreichs zu erforschen“, sagt Kopp.

Entzündungen hemmen mit der Ringelblume

Bereits 1997 analysierten Forscher des Instituts in Wien die antientzündlichen Substanzen der Ringelblume: eine Mischung verschiedener Triterpene. „Wir konnten auch zeigen, dass Bauern früher ihre Ringelblumensalben mit dem optimalen Verfahren hergestellt haben“, sagt Kopp. Sie extrahierten die Inhaltsstoffe aus den gelben Blüten traditionell mit Schweineschmalz. So erhielten sie Salben gegen Hautverletzungen. Die Erkenntnisse zur Ringelblume und zu weiteren Heilpflanzen sind im Phytokodex und in der Volksmed-Datenbank Österreichs gesammelt. Weitere Arzneipflanzen hemmen Entzündungen: Bärentraube, Birke, Brennnessel und Weide etwa. „Das ist oft ein Nebeneffekt von Substanzen gegen Bakterien und Pilze“, sagt Professor Michael Wink. Weidenrinde enthält bis zu elf Prozent Salicin, das der Darm zu Saligenin und die Leber zu Salicylsäure umwandelt, dem eigentlichen Wirkstoff. Das Rindenpulver dient bis heute als Heilmittel. Doch verbreiteter ist die von dem Naturstoff abgeleitete Acetylsalicylsäure gegen Entzündungen, Schmerzen und Fieber.

Viele Pflanzen bilden Salicylsäure. „Das ist eine aromatische Substanz, die sie vor oxidativem Stress schützt“, erklärt Heinrich. Die Säure erfüllt also in Pflanzen eine ähnliche Aufgabe wie etwa die Vitamine A, C und E bei uns Menschen: Sie macht aggressive chemische Substanzen unschädlich. Aronstab und Amorphophallus hingegen nutzen Salicylsäure als Botenstoff. Beide Gattungen haben Blütenstände, die wie ein aufgerichteter Phallus aussehen. Den mit bis zu mehr als drei Meter Höhe größten Blütenstand besitzt die auf Sumatra heimische Titanenwurz. Die Pflanze bildet ihn in nur wenigen Tagen aus.

Doch damit nicht genug. Heinrich sagt: „Salicylsäure erhöht die Temperatur der Blüten, die daraufhin Aromasubstanzen freisetzen.“ Diese locken Käfer zum Bestäuben an, die ihre Eier normalerweise in Kadavern ablegen. Auch Pflanzen wissen sich also zu helfen. Die Titanenwurz scheint dafür keinen Aufwand zu scheuen. Sie imitiert sogar Verwesungsgeruch, um sich fortzupflanzen.


Pflanzentherapie: Das hilft bei den häufigsten Beschwerden

Ob Magen und Darm, Hautprobleme wie Juckreiz und Ekzeme oder Harnwegsinfekte: Pflanzliche Bestandteile können bei vielen Beschwerden helfen oder lindern. Ein Überblick über wirksame Substanzen aus der "Apotheke Natur&quo

Samen des Gemeinen Leins helfen bei akuter Verstopfung

DER MAGEN

Nach fettreichen Mahlzeiten:

Die Galle spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung von Fetten. Denn der Verdauungssaft zerlegt die Fette in kleine Tröpfchen. Diesen Vorgang unterstützen Extrakte aus Artischockenblättern und Kurkumawurzeln. Ihre Inhaltsstoffe regen die Leber an, mehr Galle auszuschütten. In Apotheken gibt es standardisierte Fertigpräparate, auch solche mit den Inhaltsstoffen mehrerer Pflanzen. Achtung: Menschen mit Gallensteinen dürfen keine gallefördernden Mittel einnehmen!

Bei Reizmagen, Sodbrennen und Völlegefühl nach dem Essen:

Viele Arzneipflanzen regen den Magen an, mehr Säure zu bilden. Das fördert die Verdauung und den Appetit. Bitterstoffe bewirken diese günstigen Effekte. Apotheken beraten, welche pflanzlichen Präparate sich am besten eignen. Diese enthalten unter anderem Extrakte aus der Pfefferminze, dem Kümmel, der Bitteren Schleifenblume, der Zitronenmelisse und dem Gelben Enzian. Es gibt Tabletten, Kapseln und Tees.

Den Darm aktivieren:

Gegen akute Verstopfung helfen pflanzliche Arzneimittel. Lein- und Flohsamen etwa wirken leicht abführend. Sie enthalten Quellstoffe, die Wasser binden und so den Stuhl aufweichen. Das setzt allerdings voraus, dass man ausreichend Flüssigkeit trinkt. Die Inhaltsstoffe von Sennesblättern und -früchten binden an die Darmwand und verändern so den Wasserhaushalt im Dickdarm. Doch Abführmittel dürfen nur für kurze Zeit angewandt werden. Wer immer wieder unter Verstopfung leidet, muss die Ursachen dafür von einem Arzt abklären lassen.

Salben mit Extrakten aus der Ringelblume fördern die Wundheilung

DIE HAUT

Gegen Juckreiz und Ekzeme:

Kratzen sollte man sich nicht, wenn die Haut juckt. Das verschlimmert nur die Beschwerden. Oft ist die Haut einfach zu trocken. Rezeptfreie Cremes und Salben aus der Apotheke befreien von den Beschwerden. Viele Produkte enthalten entzündungshemmende Substanzen aus Arzneipflanzen. Dazu zählen die Echte Kamille, die Zaubernuss und die Ringelblume. Ihre Inhaltsstoffe stoppen den Juckreiz und wirken auch gegen Ekzeme. Das sind Bläschen, rote Flecken und Schuppen auf der Haut, denen keine Infektion zugrunde liegt. Ringelblumensalben fördern zusätzlich die Heilung von Wunden.

Bitte beachten Sie:

Menschen, die allergisch auf Korbblütler reagieren, sollten Produkte meiden, die Extrakte aus der Ringelblume oder der Echten Kamille enthalten. Verschwinden die Ekzeme nicht und tritt immer wieder Juckreiz auf, sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen. Denn viele Krankheiten machen sich unter anderem mit Hautproblemen bemerkbar. So können Erkrankungen der Niere, der Leber und der Schilddrüse chronischen Juckreiz verursachen. Auch Allergien, Diabetes und Medikamente kommen als Ursachen dafür infrage.

Betablocker, Cholesterinsenker und bestimmte Antidepressiva führen zum Beispiel bei manchen Patienten zu Hautjucken. Dann versuchen Ärzte Alternativen zu finden, bei denen diese Nebenwirkungen nicht auftreten.

DIE BLASE

Die Bakterien ausschwemmen

Bei einer akuten Harnwegsinfektion verschreibt der Arzt meist Antibiotika. Nur diese Medikamente töten die Bakterien in Blase und Harnleiter wirksam ab. Natürliche Präparate unterstützen den Genesungsprozess. So enthalten viele Pflanzen harntreibende Substanzen, sogenannte Aquaretika. In der Apotheke gibt es dazu Tees und Fertigpräparate mit Inhaltsstoffen der Goldrute, des Acker-Schachtelhalms und den Blättern von Birken. Die Durchspülungstherapie trägt dazu bei, die Bakterien loszuwerden. Dazu sollten die Patienten normalerweise ausreichend trinken: je nach Bedarf zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag.


Quelle: Apotheken Umschau, Dr. Achim G. Schneider, 18.09.2013