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Gesund Leben


Wie Rituale die Gesundheit fördern können


Rituale begleiten unseren Alltag. Sie geben nicht nur Sicherheit, sondern bauen Stress ab und tun uns gut.

Weihnachten feiern ohne Tannenbaum? Für viele undenkbar. Ebenso wie Ostern ohne Eiersuchen. Beides sind feste Rituale in unserer Kultur. Rituale sind Handlungen mit einem fest vorgeschriebenen, immer gleichen Ablauf. Es gibt sie in allen Kulturen. Sie geben der Gemeinschaft Struktur und fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Neben den großen gesellschaftlichen Ritualen gibt es noch die kleinen Alltagsrituale, die jeder Mensch hat und jeder unterschiedlich lebt. Das kann zum Beispiel eine Viertelstunde Yoga nach dem Aufstehen sein, ein Kreuzworträtsel am Nachmittag oder ein gutes Buch zum Einschlafen. Solche persönlichen Rituale sorgen nicht nur für Ordnung im Tagesverlauf, sondern tragen auch zu einem gesunden Lebensstil bei.


Bewusste Auszeiten

„Rituale sind Lebensbojen“, sagt der Hamburger Psychotherapeut Michael Schellberg. Gerade in schwierigen Zeiten geben sie Sicherheit und Halt. Wer jeden Nachmittag eine Tasse grünen Tee zu sich nimmt, muss davor nicht überlegen, was er heute trinkt. Solche Automatismen entlasten vom ständigen Entscheidungsdruck, vermindern auf diese Weise Stress und können so zur psychischen Gesundheit beitragen. Zudem unterteilt das Ritual den Tagesverlauf in einzelne Etappen. Es stellt somit etwas dar, worauf man hinarbeiten und auf das man sich sich freuen kann.

Darüber hinaus können Rituale bewusste Auszeiten vom Alltagsstress sein. Man findet Zeit, innezuhalten, nachzudenken, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Das Ritual ist übrigens eine bewusste Handlung. So unterscheidet es sich von Gewohnheiten.


Eigene Rituale schaffen

Der Psychologe Schellberg empfiehlt, sich eigene Rituale zu schaffen und in den Tagesablauf einzubauen. Gewünschte Verhaltensweisen lassen sich leichter auftrechterhalten, wenn sie zum Ritual werden. Wer sich mehr bewegen möchte, sollte zum Beispiel zu festen Terminen in der Woche joggen gehen. „Das verhindert, dass man jedes Mal vor dem Sport erneut in die Motivationsfalle tappt“, erklärt Schellberg.
Feste Handlungsabläufe helfen auch beim Einschlafen. Ein Schlafritual besteht beispielsweise darin, abends ein Buch zu lesen oder ein Glas Milch zu trinken. Feste Bettgehzeiten sind ebenfalls förderlich. Andere Angewohnheiten sollten stattdessen besser unterbleiben. Dazu gehört das Fernsehen im Bett, kurz bevor man das Licht ausmacht. Das wühlt den Kopf nur auf – auf Rituale solcher Art also besser verzichten.


Rituale in der Therapie

Die strukturierenden Effekte von Ritualen helfen bei der Behandlung von physischen und psychischen Erkrankungen. So üben Psychotherapeuten mit Patienten, die unter Phobien oder Depressionen leiden, gezielt feste Verhaltensweisen für Notfälle ein. An diesen können die Betroffenen sich festhalten, wenn es ihnen schlecht geht. „Rituale helfen in schwierigen Situationen Brücken zu schlagen“, erklärt Psychotherapeut Schellberg.

Ähnliches gilt für die Ergotherapie. Bei dieser sollen Patienten durch das Einüben bestimmter Handlungen und Verhaltensweisen die Folgen einer Krankheit überwinden. Etwa, wenn durch einen Schlaganfall alte Bewegungsmuster verloren gegangen sind und wieder neu erlernt werden müssen. Dazu gehört es, Vorgehensweisen so einzuüben, dass sie zur Routine werden und damit mehr Sicherheit und Selbständigkeit im Alltag ermöglichen.


Negative Rituale abstellen

„Es kommt aber auch vor, dass Therapeuten im Behandlungsprozess bestehende Rituale aufspüren, die dem Lernprozess entgegenstehen", sagt Lydia Köhler, selbst praktizierende Ergotherapeutin in München. „Gemeinsam mit den Patienten gilt es dann, Alternativen zu finden und neue, effektivere Abläufe zu etablieren.“

Besonders wichtig sind Rituale für Kinder. Zappelphilippe, die unter ADHS oder Wahrnehmungsschwierigkeiten leiden, profitieren von einem strukturierten Ablauf oft besonders. Eine einfache Handlung wie ein Gute-Nacht-Kuss der Mutter übernimmt dabei viele Funktionen: „Er steht für das orientierende Signal, dass jetzt Schlafenszeit ist, und gibt einen physisch wahrnehmbaren Halt. Außerdem ist der Kuss ein emotionales Symbol: ,Mama ist für dich da'“, erklärt Köhler. Auch abseits von Therapien fördern feste Rituale die Entwicklung von Kindern: Sie können das Lernen erleichtern, vermindern Ängste, fokusieren Aufmerksamkeit und geben Geborgenheit.


Zwänge vermeiden

Wie in der Therapie ist es im Alltag hilfreich, hinderliche Rituale durch förderliche zu ersetzen. Sich statt einer Zigarette am Feierabend lieber eine Tasse Tee oder einen Spaziergang gönnen. Es ist sinnvoll, die eigenen Rituale von Zeit zu Zeit zu überdenken und sich von ihnen nicht abhängig zu machen. Sonst werden sie zum Zwang.


Quelle: www.apotheken-umschau.de | Foto: © Kzenon - Fotolia.com